Erfolgsbedingungen 1 - 9

Folgende Optionen wären zielführend und auch in Schleswig-Holstein realisierbar:



1. Begrenzung der Klassenfrequenzen auf maximal 20 Schüler/innen

Das Problem:

  • Lerngruppen der Schulen am Wind weisen einen extrem hohen Anteil an Migranten, I-Kindern und DaZ-Schüler/innen auf.
  • Das Leistungsniveau ist insgesamt gering, die häusliche Unterstützung oft nur marginal bis kaum erkennbar ausgeprägt.
  • Oft kommen bis zu 25 % sonderpädagogisch zu unterstützender „I-Kinder“ hinzu.
  • Das Störpotential ist deutlich höher als an anderen Standorten und wächst exponentiell mit der Anzahl der Kinder in der Lerngruppe. Ein hoher Anteil an Unterrichtszeit ist erforderlich für permanentes, auch auf „Disziplinierung“ zielendes Classroom-Management.

Die Lösung:

  • Eine maximale Lerngruppengröße von 20 Schüler/innen.
  • Nur so lässt sich der Unterstützungsbedarf bei nahezu allen Kindern in den Bereichen Engagement und Selbstständigkeit, Ordnung und Struktur, Konzentration und Verstehen realisieren.

Die Ressource:

  • Zuweisungsplus von 20 %.

Zum Vergleich:

  • In Hamburg werden Sek-I-Eingangsklassen mit ähnlicher Problematik mit einer Klassenfrequenzen von 18-20 SuS gefahren.

2. Schulsozialarbeit mit einer Kapazität von ca. 20 % der Schülerschaft


Das Problem:

  • Auch mangels sozialpädagogischer Expertise und Ressource sind Schulen am Wind oft darauf angewiesen, das Spektrum zur Verfügung stehender Maßnahmen offensiv zu nutzen, allein, um den Unterricht zu gewährleisten. Dies umfasst auch den Unterrichtsausschluss auf Zeit, die Praxis des reduzierten Unterrichts und die übliche Kaskade von Ordnungsmaßnahmen.

Die Lösung:

  • Erforderlich ist bei einer Vielzahl von Schülerinnen und Schülern die Stabilisierung des Sozial- und Arbeitsverhaltens durch Angebote sowohl in den Bereichen Prävention als auch Intervention.

Die Ressource:

  • Der Personalbedarf beläuft sich auf ca. 25 Std. Schulsozialarbeit je 100 SuS. Die Schulleitungen sind – vgl. für Schleswig-Holstein § 33 Abs. 2 SchulG - offensiver als bisher an der Auswahl des Personals zu beteiligen.

Zum Vergleich:

  • Kieler Schulen werden für je 100 SuS ca. 10 Netto-Std. Schulsozialarbeit zugewiesen. Hamburger Stadtteilschulen verfügen bei vergleichbarer Größe ca. über das 2,5-Fache. Jeder Klasse sind ca. 10 Std. begleitender Schulsozialarbeit zugeordnet.

3. Verteilung der Teilnehmer aus den DaZ-Basiskursen auf sämtliche Sek-I-Standorte

Das Problem:

  • Bisher tragen die Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe den weit überwiegenden Teil der Integrationsleistungen im Bereich DaZ.

Die Lösung:

  • Erforderlich ist die Verteilung dieser SuS auf alle Sek-I-Standorte nach einem festen Schlüssel, unter gleich-belastender Beteiligung der nicht-schulamtsgebundenen Schulen. Die Quote von Schülerinnen und Schüler mit nur rudimentären Deutsch-Kenntnissen darf 10 – 15 % nicht übersteigen.
  • Zuweisungen gem. § 24 Abs. 5 SchulG müssen unter Berücksichtigung der Beförderungsproblematik erfolgen, verbunden mit auskömmlichen Ressourcen für die Aufbau-Kurse.

4. „Systemzeit“ für Lehrkräfte mit überproportional hohen Beratungs- und Betreuungsaufgaben

Das Problem:

  • Lehrkräfte an prekären Standorten sind gefordert durch
    • einen weit überproportional hohen Kommunikations-, Besprechungs- und Kontaktbedarf in Richtung der Schülerinnen und Schüler, Familien, Ämter und außerschulischen Kommunikationspartner
    • einen weit überproportional hohen, täglichen Bedarf an Krisenintervention unter maßgeblicher Beteiligung der Schul- und Stufenleitung
    • ein weit überproportional hohes Maß an Phantasie zur Ermöglichung von Unterricht unter Ausschöpfung des gesamten pädagogisch sinnvollen und rechtlich zulässigen Instrumentariums, inkl. Unterrichtsausschluss bei „Systemsprengern“, reduzierter Unterricht bei Kindern am Rande der (mentalen) Erschöpfung, Betreuungsmaßnahmen außerhalb des Unterrichts, Ordnungsmaßnahmen, Bußgelder...
    • einen weit überproportional hohen Bedarf an Klassen- und pädagogische Konferenzen, Ad-hoc-Besprechungen etc.

Die Lösung:

  • Der Beratungs- und Unterstützungsbedarf ist so hoch, dass es einer adäquaten Reduzierung der individuellen Pflichtstundenzahl bedarf, auch zur Vermeidung von systembedingter Erschöpfung und zur Reduzierung krankheitsbedingter Ausfallzeiten.

Die Ressource:

  • Der Personalbedarf liegt bei 2-3 Std. je Lehrkraft, dies entspricht einer um ca. 10 % höheren Zuweisung.

Zum Vergleich:

  • In Hamburg werden Schulen an prekären Standorten bis zum Faktor 1,4 besser versorgt als Schulen mit weniger großen Herausforderungen.

5. Anreize für hoch leistungsfähige Lehrkräfte an prekären Standorten: die besten Lehrkräfte für die schwierigsten Schülerinnen und Schüler

Das Problem:

  • Das Rekrutieren neuer Lehrkräfte für prekäre Standorte kann angesichts des Wettbewerbs der Schulen untereinander nur gelingen, wenn wirksame Anreize geschaffen werden.

Die Lösung:

  • Unverzichtbares Ziel: Die besten Lehrkräfte müssen für jene Schülerinnen und Schüler gewonnen werden, die den größten Unterstützungsbedarf besitzen und insofern auch den höchsten Professionalisierungsgrad auf Seiten der Lehrkräfte fordern.
  • Ausschreibungen für Schulen am Wind müssen mit der Perspektive erfolgen, dass neue Lehrkräfte neben der o.g. Systemzeit zeitlich befristet eine Mentorenunterstützung erhalten, um durch Hospitation und Beratung in die spezifischen Bedarfe dieser Standorte eingeführt zu werden.

Die Ressource:

  • Personalbedarf: zeitlich befristet für ein Schuljahr 2 LWStd. je neuer Lehrkraft, 1 LWStd. für die Mentor/innen.

6. Erhöhtes Zeitbudget und Leitungszeit für die Schulleitungen

Das Problem:

  • Schulleitungen an prekären Standorten sind überproportional gefordert, sowohl mit Blick auf administrative Aufgaben als auch bei der Unterstützung von Kollegium, Schülerschaft und Eltern. Nahezu alle Prozesse gestalten sich erheblich aufwändiger als an weniger herausfordernden Standorten:
    • die Rekrutierung von Lehrkräften bei immer dünnerer Bewerberlage
    • die notwendige Abstimmung mit I-Kräften und Schulsozialarbeit
    • die wirksam flankierende Beratung und Unterstützung von Lehrkräften nicht selten am Rande der Erschöpfung
    • die Erfordernisse im Bereich Differenzierung, Integration, Inklusion und Disziplinierung
    • die Gespräche mit Eltern, die größtenteils kaum Deutsch sprechen…

Die Lösung:

  • Bisher verfügen Schulleitungen an prekären Standorten über das gleiche Leitungszeitbudget wie an anderen Schulen. Erforderlich ist - standortbezogen - eine nennenswerte Erhöhung des Leitungszeitbudgets.
  • Die Unterrichtsverpflichtung der Schulleiter/innen ist fakultativ auf max. 4 Std. zu reduzieren, sonstige Leitungsstellen auf maximal 50 % der Pflichtstundenzahl.

Zum Vergleich:

  • In Hamburg erteilen Schulleiter/innen an Problemstandorten i.d.R. keinen eigenen Unterricht, Konrektor/innen und Koordinator/innen haben eine Unterrichtsverpflichtung von nur 4 – 8 Std.
  • Staatsrechtler Alexander Thiele konstatiert für Niedersachsen (Gutachten 25.11.2014, S. 41; vgl. NDSDV zum OVG Lüneburg 14.07.2015) und Hessen (Gutachten 24.08.2017, S. 51), dass die Arbeitsbelastung der Schulleiter/innen mit einer Überlast von 25 - 50 % ganz offensichtlich verfassungs- und gesetzeswidrig ist, vgl. II unter "Wellenschlag".

7. Offensiver Umgang mit personellen Veränderungen

Das Problem:

  • Das Auftreten problematischer Situationen in den Klassen korrespondiert deutlich
    • a) mit der fachlichen und pädagogischen Expertise der Lehrkräfte und
    • b) mit der Bereitschaft, sich voll mit der Aufgabe der Betreuung von Problemklientel zu identifizieren.

Die Lösung:

  • Lehrkräfte und oder Mitarbeiter aus der Schulsozialarbeit, die sich als nicht optimal geeignet erweisen, müssen ein Angebot erhalten können, an weniger anspruchsvollen Standorten ihren Dienst zu versehen. Nicht jede Lehrkraft muss an jedem Standort „glücklich“ werden müssen, es braucht ein höheres Maß an Fluktuation des Personals.

8. Stärkung und Ausbau der Ganztagsangebote

Die Lösung:

  • Erforderlich ist eine deutlich höhere Zahl von gebundenen Ganztagsschulen resp. von einzelnen Ganztagszügen.
  • Für die Koordination des offenen Ganztags ist die Koordinationszeit auf eine ¼ Stelle (6-7 Std.) zu erhöhen.
  • Der Einsatz von Lehrkräften sollte wegen der erforderlichen personellen Kontinuität auch im Offenen Ganztag ermöglicht werden.

9. Einstufige Schulaufsicht

Das Problem:

  • Bisher unterliegen Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe einer zweistufigen, Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe einer einstufigen Schulaufsicht.

Die Lösung:

  • Diese Dichotomie ist schlichtweg anachronistisch und aufzuheben zugunsten einer grundsätzlich einstufigen Schulaufsicht für alle Schulen der Sekundarstufe I.
  • Alle Schulleiter/innen dieser Schulen sind auch als Dienstvorgesetzte einzusetzen.